NAD M33/ M33 V2 — der beste Streaming-Amplifier den Du für Geld kaufen kannst?
Falls du noch nicht dein ganzes Weihnachtsgeld verbraten hast, hier eine Idee: Gönn dir ein Musiksystem für Erwachsene.
In der High-End-Audiowelt hat sich leise eine Revolution angebahnt. Jahrzehntelang bedeutete „echtes“ Hi-Fi: Türme von Komponenten, schwere Endstufen, alles analog, und ein geradezu stoischer Widerstand gegenüber jeglicher Bequemlichkeit. Die Szene wurde (und wird) beherrscht von Namen, die man kennt oder eben nicht: Accuphase, Linn, B&W, McIntosh, Sonus Faber, Tannoy — und unzähligen anderen, bei denen man sich fragt, wie die überhaupt noch existieren. Einige tun es nicht (RIP Revox). Manche gehörten nie wirklich zur High-End-Liga (B&O zum Beispiel, hübsches Design immerhin). Und dann war da immer NAD: nüchterne, olivgrüne Metallkisten ohne jegliche Spielereien.
Doch die Zeiten änderten sich. Selbst Audiophile entdeckten irgendwann Design. Heute kombinieren elegante Geräte Referenzverstärkung, intelligente Streaming-Plattformen und Raumkorrekturtechnik, die früher nur in Mastering-Studios zu finden war.
Nur wenige Marken verkörpern diesen Wandel besser als NAD — und kaum ein Produkt zeigt ihn überzeugender als das M33 und sein Nachfolger, das M33 V2. Kein Kompromissgerät, sondern das Ergebnis aus 50 Jahren Ingenieurskunst, beginnend1972 mit einer rebellischen Idee: Bau Audioequipment, das Leistung priorisiert, nicht Prestige.
Eine kurze Geschichte von NAD: Der stille Innovator
1972: Performance zuerst, Ego nie
In London gegründet, mit kanadischen Wurzeln, kümmerte sich NAD herzlich wenig um champagnergoldene Frontplatten oder verchromte Protzgeräte. Wichtiger waren clevere Schaltungen, hohe Leistung und echte Alltagstauglichkeit. Entwickelt für Wohnräume — nicht für Labortische.
Der NAD3020: Eine Legende in Oliv
Ende der 70er kam der 3020 — ein unscheinbarer Vollverstärker, der zum meistverkauften Hi-Fi-Amp aller Zeiten wurde.
Billig. Hässlich (für viele). Revolutionär.
Dank Hochstromdesign trieb er Boxen, die eigentlich weit über seiner Klasse spielten. Studenten kombinierten ihn mit riesigen JBLs oder KEFs, während Audiophile, die das Zehnfache ausgegeben hatten, ihren Entscheidungen leise nachtrauerten.
Der NAD2200 (1984): Das Power-Envelope-Monster
Der 2200führte NADs „Power Envelope“-Technologie ein: enorme dynamische Leistungsschübe, ohne überlastet zu sein oder die Nerven zu verlieren. Perfekt für Partys, Studios, oder alle, die Kraft ohne Kollaps wollten. Viele Verstärker schaffen das heute noch nicht.
Master Series & der digitale Sprung
In den 2000ern startete NAD die Master Series: elegantes Industriedesign trifft digitale Ingenieurskunst.
Wichtige Innovationen:
- HybridDigital-Verstärkung
- MDC (Modular Design Construction) — aufrüstbare Digitalmodule
- BluOS — vermutlich das beste Hi-Res-Streaming-Ökosystem überhaupt
Spätestens in den 2010ern wurde NAD zu einer der wenigen Marken, die Class-D-Verstärker bauen konnten, ohne dass sie „digital“ klangen. Klar, transparent, kraftvoll —ohne die gefürchtete Sterilität.
Willkommen beim M33.
NAD M33/ M33 V2: Ein Streaming-Verstärker ohne Kompromisse
Design& Erste Eindrücke
Der M33 wirkt, als gehöre er ins Jahr 2025: präzise gefrästes Aluminium, reaktionsschneller Touchscreen, Linux unter der Haube. Minimalistisch, klar, ohne überflüssige Gimmicks. Ein Mix aus Premium-DAC, Studiowerkzeug und modernem Designobjekt.

Unter der Haube
BluOS: Streaming für Erwachsene
BluOS ist erstaunlich ausgereift. Stabil, alle wichtigen Hi-Res-Dienste integriert, Multiroom, AirPlay 2, Roon, Hausautomationssysteme, NAS- und USB-Wiedergabe. Es funktioniert einfach — ohne die üblichen App-Zickereien.
Bluetooth geht auch, aber warum sollte man wollen? Die Qualität ist schlicht schlechter.
Purifi Eigentakt: Class D, neu erfunden
Der M33setzt auf Purifi Eigentakt-Module — mit den saubersten und verzerrungsärmsten Verstärkerschaltungen, die je entwickelt wurden.
Vergiss alles, was du über Class D zu wissen glaubst (falls du überhaupt etwas wusstest).
Der Klang ist:
- schnell
- transparent
- unverfärbt
- beeindruckend kontrolliert
Er tritt zurück und lässt die Musik atmen. Keine „romantische Nebelwand“. Wer «Wärme» sucht, ist woanders besser aufgehoben.
Dirac Live: Dein Raum — nur besser
Dirac löst ein großes Problem. Die meisten Wohnräume sind akustische Problemzonen: wummernder Bass, Reflexionen, Einbrüche. Dirac misst und korrigiert sie. Das Ergebnis: ausgewogener, kohärenter Klang, sogar in schwierigen Räumen.
Vollintegriert, nahtlos, transformativ.
MDC: Zukunftssicher durch Konzept
Digitales altert schnell. Analog nicht.
Mit den MDC-Steckplätzen lassen sich HDMI, Schnittstellen und digitale Moduleaufrüsten. Das M33 V2 ist selbst ein Produkt dieser Philosophie — die Antithese zu geplanter Veralterung.
Konnektivität & Alltagstauglichkeit
Der M33 ist einer der praktischsten High-End-Amps überhaupt. Er bietet:
- HDMI eARC
- Analoge + digitale Eingänge
- Phonostufe (für den Technics SL-1200 den du dir besorgen solltest)
- Kopfhörerausgang
- aptX HD
- AirPlay 2
- Roon
- USB-Wiedergabe
- Multiroom
Und falls 2× 380 W an 4 Ohm erstaunlicherweise nicht reichen, kannst du:
- bi-ampen
- tri-ampen
- oder zwei M33 als Monoblöcke betreiben (ca. 700 W an 8 Ohm)

NAD untertreibt traditionell bei Leistungsangaben — du wirst nie Leistungsmangelspüren.
Die Fernbedienung? Ein blau beleuchteter Alublock, schwer genug, um einen grossen Hund zu erschlagen.
Höreindrücke
Setup: NAD M33 + Klipsch Reference RF-7 III
Carolin No — „Crystal Ball“
Die Stimme erscheint mit feinen Mikrodetails und wunderschön natürlicher Klangfarbe. Das Zentrum sitzt messerscharf. Die Klipsch-Hörner + Purifi-Kontrolle erzeugen fast eine holografische Bühne. Klarheit ohne Aggression, Transparenz ohne Kälte.

Dire Straits — „You and Your Friend“
Knopflers Gitarre fliesst wie warmer Honig, aber mit erstaunlicher Klarheit und Präsenz. Der M33 zeigt Nachhall, Schwebungen und die entspannte Atmosphäre mit lässiger Präzision. Der Bass fest, staubtrocken, nie aufgebläht. Der Gitarrenton soft, leicht melancholisch, vollkommen unangestrengt.
Boris Blank / Yello — „Electrified II“
Der Härtetest. Tiefer, trockener, straffer Bass. Schnelle Wechsel. Wirbelnde Stereoeffekte. Kein Zusammenbruch, egal wie stark der Track eskaliert. Der M33hält alles souverän zusammen.
Für wen ist der M33?
- Für Menschen, die High-End ohne Gerätestapel wollen
- Oder fast Referenzniveau mit nur 2–3 Komponenten
- Für alle, die Streaming ins Zentrum des Systems stellen
- Für Fans klarer, moderner Designs
- Für Audiophile, die genug haben von Kabeljagd und Voodoo-Ritualen
- Für jeden, der Referenzklang im Alltag möchte
Ein Flaggschiff für die Zukunft
Vom bescheidenen 3020 über den kräftigen 2200 bis zum digital veredelten M33 blieb NAD seiner Linie treu: Ingenieurskunst über Ego, Leistung über Pomp.
Der M33 ist nicht nur ein grossartiger Streaming-Verstärker.
Er ist der Beweis, dass digitales High-End elegant, kraftvoll, zukunftssicher und emotional sein kann.
Fun Fact: Junge Leute haben oft noch nie „echten“ Klang gehört
Viele jüngere Hörer kennen keinen echten Lossless-Sound. Für sie bedeutete „hohe Qualität“: MP3s, Bluetooth-Kompression, Streaming mit versteckter Datenreduktion.
CD-Qualität? SACD? Für viele komplett fremd.
Deshalb wirkt der erste Kontakt mit einem M33 samt guten Lautsprechern und Hi-ResLossless auf 24 Bit/192 kHz fast schockierend — als hätte jemand endlich das Licht aufgedreht in einem Raum, den sie jahrelang im Halbdunkel erlebt haben. Plötzlich sind Raum, Textur, Luft, Mikrodetails, Emotionen da, von denen sie nichts wussten.
Nicht Nostalgie — Erkenntnis.
Der M33 V2 kostet rund 6000 €. Dazu kommen passende Lautsprecher (ab ca. 5000 € bis zu wieviel Geld hast du), gute Kabel, vielleicht ein M23. Realistisch: 15.000–30.000 €, je nach Geschmack und Lautsprecherauswahl. Aber dieses Setup spielt locker Anlagen davon, die das Doppelte oder Dreifache kosten.
Aber…
Der M33 wird Puristen nicht zufriedenstellen, die glauben, nur Class A/B (idealerweise mit glühenden Röhren) könne „echte“ Musik liefern. Der M33 zeigt das, was auf der Aufnahme wirklich ist. Grossartige Aufnahmen klingen göttlich. Mittelmässige? Schonungslos entlarvt. Kein goldener Schleier.
Die Lautsprecherwahl ist unkompliziert — der M33 treibt fast alles — doch seine Kontrolle erlaubt Experimente: Klipsch La Scala, B&W 800er, KEF Blade, Magnepan LRS+, große Tannoys, Martin Logan Elektrostaten, Dynaudios oder passive Studiomonitore, die schwächere Amps gnadenlos zerlegen würden.
Gibt es Konkurrenz?
Natürlich — etwa der Hegel H390. Aber er ist rund ein Drittel teurer und bietet weniger Features, besonders bei Raumkorrektur, Streaming und Konnektivität. Klanglich anders: Hegel voluminöser, wärmer, genussvoller — ein Shiraz.
Der NAD hingegen ist der Pinot Noir: transparent, klar, voller Finesse.
Und vergiss nicht: Einige der besten Champagner der Welt basieren auf Pinot Noir.
Es ist Anfang Dezember. Schnell genug bestellt, liegt er noch rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum.
