Bleib wachsam. Bleib skeptisch. Bleib sicher.
Menschen lügen.
In Lebensläufen. In Bewerbungsgesprächen. Auf ersten Dates.
Warum also nicht auch auf LinkedIn?
Manchmal ist es harmlos: aufgeblasene Jobtitel, „strategische Führung“, die hauptsächlich aus PowerPoint bestand, ein Abschluss, der beeindruckender klingt, als er war. Nervig, aber nicht gefährlich.
Das eigentliche Problem ist ein anderes: Fake-Profile mit Absicht.
Profile mit gestohlenen Fotos. KI-generierte Gesichter. Ganze Karrieren aus dem Nichts. Nicht aus Eitelkeit – sondern um Informationen, Geld oder Vertrauen abzugreifen.
Und ja: Es funktioniert. Deshalb passiert es immer wieder.
Ein typisches Szenario beginnt harmlos. Eine attraktive Fachperson. Sehr oft eine junge Frau – denn, seien wir ehrlich: Schmeichelei ist eine bekannte Schwachstelle im Social Engineering. Und sie wirkt besonders gut bei Menschen, die auf professionellen Plattformen nicht daran gewöhnt sind, persönliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Oder überhaupt irgendwo.
Ein sauberer und geschliffener Titel. „Brand Manager“ hier, „Project Lead“ dort, glaubwürdig. Eine Kontaktanfrage, die schmeichelhaft wirkt, nicht verdächtig. Oft gibt es bereits gemeinsame Kontakte – manchmal, weil diese Accounts zuvor kompromittiert wurden. Das ist klassisches Social Engineering.
Manchmal ist die Person real. Manchmal stammt das Foto aus einer Modelagentur oder von einem Instagram-Account auf der anderen Seite der Welt. Das ist keine Theorie. Wir haben das selbst erlebt.
LinkedIn ist eine der wichtigsten professionellen Plattformen weltweit – mit über einer Milliarde Nutzern und zig Millionen Unternehmen. Recruiter, Gründer, Sales-Teams und Führungskräfte nutzen sie täglich. Genau das macht LinkedIn zu einem attraktiven Jagdrevier für Betrüger. Wo Vertrauen existiert, wird es ausgenutzt.
Der Anstieg gefälschter LinkedIn-Profile
LinkedIn selbst bestätigt seit Jahren einen stetigen Anstieg betrügerischer Accounts. Die meisten werden früh erkannt – viele bereits bei der Registrierung, andere kurz danach. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte? Das Volumen wächst weiter.
KI macht es immer einfacher, realistische Fotos, glaubwürdige Karrieren und überzeugende Nachrichten zu erzeugen. Die Einstiegshürde für Betrüger sinkt. Eine Fake-Identität zu erstellen erfordert heute kaum noch Fähigkeiten – nur Absicht.
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Fake-Profile reichen von stark überzeichneten „fast echten“ Personen bis hin zu komplett erfundenen Identitäten. Die Ziele variieren:
• Sammeln persönlicher oder unternehmensbezogener Informationen
• Durchführen gefälschter Recruiting-Kampagnen
• Bewerbung von Investment- oder Krypto-Scams
• Aufbau langfristigen Vertrauens zur späteren Ausnutzung
Wenn sich jemand meldet, den du nicht kennst, sollte die Grundannahme nicht sein:
„Wahrscheinlich legitim.“
Sondern: „Beweis es.“
So erkennst du ein gefälschtes LinkedIn-Profil
Wenn sich eine Kontaktanfrage oder Nachricht auch nur leicht falsch anfühlt: bremsen. Prüfe die Grundlagen. Muster wiederholen sich – Betrüger sind kreativ, aber nicht originell.
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Profilbild
Sei skeptisch. Sehr skeptisch.
• Stockfoto-Perfektion oder diese unheimliche „KI-Glätte“ sind Warnsignale
• Fotos von hinten, stark gefiltert oder merkwürdig zugeschnitten verdienen Misstrauen
• Mache einen Google Reverse-Image Search. Hilft nicht immer, aber manchmal schon.
Wenn ein Gesicht nicht verifiziert werden kann, ist das kein Zufall.
Profilinformationen
Beeindruckende Titel sind billig. Details nicht.
• Achte auf Lücken, vage Beschreibungen oder Karriereverläufe, die nicht ganz aufgehen
• Prüfe Unternehmen: existieren sie wirklich? Und beschäftigen sie Menschen mit diesem Profil?
• Echte Fachleute hinterlassen Spuren – Beiträge, Kommentare, Referenzen, externe Erwähnungen
Ein glänzendes Profil ohne Substanz ist standardmässig verdächtig.
Kontakte
Social Engineering lebt von geliehenem Vertrauen.
• Betrüger vernetzen sich oft aggressiv innerhalb eines Netzwerks, um gemeinsame Kontakte aufzubauen
• Geh nicht davon aus, dass ein gemeinsamer Kontakt automatisch Vertrauen bedeutet
• Im Zweifel: frag nach, ob der gemeinsame Kontakt die Person wirklich kennt – oder auch darauf hereingefallen ist
Ungewöhnlich schnelles Kontaktwachstum oder seltsam gebündelte Netzwerke sind Warnzeichen.
Nachrichten
Hier wird die Absicht sichtbar.
• Gespräche, die schnell in sensible Bereiche abdriften, sollten Alarm auslösen
• Anfragen nach Dokumenten, Zugangsdaten oder externer Kommunikation sind klassische Taktiken
• Links und Anhänge von unbekannten Kontakten sollten als feindlich betrachtet werden, bis das Gegenteil bewiesen ist
Du schuldest einem potenziellen Betrüger keine Höflichkeit.
Was tun bei Verdacht auf ein Fake-Profil?
Nicht diskutieren. Nicht provozieren. Nicht „mitspielen“.
• Account blockieren
• Über die LinkedIn-Meldetools melden
• Falls sinnvoll, relevante Kollegen oder Kontakte warnen
Präventive Skepsis ist immer besser als spätere Schadensbegrenzung. Wenn du die Person nicht kennst – und nicht verifizieren kannst – verbinde dich nicht.
Die realen Risiken hinter Fake-Profilen
Es geht nicht nur um peinliche Gespräche oder Zeitverschwendung.
Gefälschte LinkedIn-Profile werden eingesetzt für:
• Identitätsdiebstahl
• Phishing und Abgreifen von Zugangsdaten
• Finanzbetrug und Investment-Scams
• Reputationsschäden für Einzelpersonen und Unternehmen
In einem bekannten Fall entwickelte sich eine berufliche Verbindung zu einer vermeintlichen Freundschaft. Später führte der Betrüger die Person in Kryptowährungen ein, nutzte reale Plattformen – und leitete das Geld schliesslich auf eine gefälschte Investmentseite um. Der Schaden: 1 Million US-Dollar.
Für Unternehmen kann der Schaden indirekt, aber massiv sein. Betrüger geben sich als Mitarbeitende, Recruiter oder Partner aus und nutzen den Firmennamen, um gefälschten Stellenanzeigen oder Angeboten Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das Aufräumen kostet Zeit – und Vertrauen lässt sich nur schwer reparieren.
Und wss nun?
LinkedIn ist eine extrem nützliche Plattform. Sie schafft Chancen, Sichtbarkeit und Verbindung im grossen Massstab.
Aber Vertrauen im grossen Massstab zieht Missbrauch im grossen Massstab an.
Skepsis macht dich weder unhöflich noch paranoid. Sie macht dich realistisch.
Geh von nichts aus. Verifiziere alles.
Und denk daran: Wenn ein Profil nur existiert, um dein Vertrauen zu gewinnen, ist genau dieses Vertrauen das Letzte, was du geben solltest.
