Wie Farben deine Markenidentität formen, Kundenwahrnehmungen beeinflussen und dein Geschäft ankurbeln
Farben spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben – und das gilt auch für das Branding und Marketing. Sie sind oft das Erste, was wir bei einer Website, Anzeige oder einem Produkt wahrnehmen. Neben der Optik haben Farben kulturelle Bedeutungen, die unbewusst beeinflussen können, wie Leute deine Marke wahrnehmen. Wenn du die visuelle Identität deiner Marke gestaltest, ist die Wahl einer starken und einprägsamen Farbpalette super wichtig. Aber wie fängst du damit an?
Grundlagen der Farbpsychologie
Ein guter Startpunkt ist die grundlegende Farbpsychologie. Hier sind einige gängige Assoziationen mit bestimmten Farben:
• Rot: Energie, Leidenschaft, Dringlichkeit
• Blau: Vertrauen, Ruhe, Zuverlässigkeit
• Grün: Wachstum, Gesundheit, Nachhaltigkeit
• Gelb: Glück, Optimismus, aber auch Vorsicht
• Gold: Luxus, Raffinesse, Erfolg
• Schwarz und Weiß: Eleganz, Einfachheit, Professionalität
• Silber: Modernität, Innovation, ruhige Eleganz
Denk dran, dass diese Assoziationen oft kulturell bedingt sind. Zum Beispiel steht Rot in einigen östlichen Kulturen eher für Glück und Wohlstand. Ähnlich haben wir kulturelle Vorstellungen von "weiblichen" und "männlichen" Farben entwickelt, wobei Rosa, Lila und Pastelltöne als weiblicher gelten. Deshalb ist es wichtig, auch deine Zielgruppe zu berücksichtigen – kommen sie aus einer ähnlichen Kultur wie du? Sprichst du ein bestimmtes Geschlecht an?
Zum Thema Geschlecht: In der heutigen Gesellschaft kann das zu starke Betonen von Geschlechterstereotypen nach hinten losgehen. Viele Frauen könnten sich von einer Marke abgeschreckt fühlen, die zu offensichtlich weiblich wirken möchte. Subtilität ist hier der Schlüssel, besonders wenn du Erwachsene ansprechen willst.
Dennoch sollte das Geschlecht bei der Betrachtung deiner Zielgruppe berücksichtigt werden. Studien haben gezeigt, dass Frauen eher in der Lage sind, subtilere Farbunterschiede zu erkennen. Männer brauchen etwas längere Lichtwellenlängen, um die gleichen Farben wie Frauen zu sehen – was erklären könnte, warum Frauen tendenziell hellere Farben bevorzugen, während Männer zu kräftigeren und dunkleren Farben neigen.
Eine kohärente visuelle Identität schaffen
Deine visuelle Markenidentität besteht hauptsächlich aus dem Logo, der Website und eventuell einer mobilen App. Es ist wichtig, ein Farbschema zu haben, das in all diesen Medien konsistent ist. Dein Markenname, Logo und Farbschema sollten ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Der aktuelle Trend bei Logos geht dahin, sie sehr einfach zu gestalten – mehrere grosse Marken haben in den letzten Jahren ihre Logos vereinfacht.

Allerdings kommen und gehen Trends, daher sollte die Anpassung an den einfachen Schrifttyp (Font), den viele Unternehmen derzeit verwenden, nicht deine oberste Priorität sein. Es ist wichtiger, dass dein Logo einprägsam und einzigartig aussieht, aber auch sinnvoll und leicht lesbar ist. Bei der Gestaltung von Websites und Apps für deine Marke sollten Lesbarkeit und Zugänglichkeit hohe Priorität haben. Stell zum Beispiel sicher, dass der Kontrast zwischen Hintergrund- und Textfarben hoch genug ist, um leicht gelesen zu werden.
Kontrast kann auch genutzt werden, um die Aufmerksamkeit auf wichtige Elemente der Seite zu lenken, da Farben mit höherem Kontrast automatisch auffallen – das kann hilfreich sein, um wichtige Infos hervorzuheben oder beim Design von Buttons (denk an die stark kontrastierenden Grün- und Rottöne, die typischerweise für "Bestätigen" und "Abbrechen" verwendet werden). Ein Design, das sowohl optisch ansprechend ist als auch eine intuitive und einfache Benutzererfahrung bietet, macht deine App oder Website einladender und zieht mehr potenzielle Kunden an.
Fallstudie: Twitter/X
Ein tolles Beispiel für die Bedeutung von visueller Identität und Farbe ist X, früher bekannt als Twitter. Twitter hatte eine sehr erkennbare und stimmige Markenidentität mit seinem blauen Vogel-Logo und den "Tweets". Blau ist die am häufigsten verwendete Farbe für Social-Media-Apps, mit weiteren Beispielen wie Facebook, LinkedIn und Tumblr. Es ist eine Farbe, die sowohl von Männern als auch Frauen breit akzeptiert und angenommen wird und Gefühle von Ruhe, Vertrauen und Zuverlässigkeit hervorruft. Der helle Blauton, den Twitter verwendete, schuf eine helle, aber ruhige visuelle Umgebung für die App.

Im Gegensatz dazu vermittelt das neue schwarz-weiße X-Logo ein völlig anderes Gefühl. Die starken Kontrastfarben wirken kraftvoller und professioneller, aber nicht unbedingt einladend – was man sich von einer Social-Media-App wünschen würde. Mit dem standardmäßigen Dunkelmodus wirkt es fast bedrückend im Vergleich zum alten, hellen Design. Das könnte einer der Gründe sein, warum die Nutzerzahlen der Plattform seit dem Rebranding zu sinken scheinen. Farben sind wichtig! Möchtest du Gefühle von Stärke und Professionalität hervorrufen, oder ist es für deine Marke wichtiger, freundlich und einladend zu wirken?
Der Aufbau eines Farbschemas
Ein Farbschema sollte im Allgemeinen Primär-, Sekundär- und Akzentfarben enthalten. Hier sind einige gängige Arten von Farbschemata:

• Monochromatisch: Verwendet eine einzelne Farbe mit variierenden Schattierungen und Tönungen. Schafft ein sauberes und stimmiges Erscheinungsbild.
• Komplementär: Basiert auf zwei Farben, die sich direkt gegenüber auf dem Farbkreis befinden (z.B. Orange und Blau). Nutzt Kontrast, um Elemente hervorzuheben.
• Triadisch: Verwendet drei Farben, die im gleichen Abstand zueinander auf dem Farbkreis liegen und denselben Ton haben. Balanciert drei Farben für eine dynamische visuelle Anziehungskraft.
Nach der Auswahl eines Farbschemas solltest du eine Farbe als Primärfarbe für deine Marke auswählen, mit einer Sekundärfarbe zur Ergänzung. Die anderen Farben können als Akzente für Details im Branding und Design verwendet werden. Das hilft dabei, dass deine visuellen Elemente optisch ansprechend und stimmig wirken.
Der Aufbau einer visuellen Identität für deine Marke mag kompliziert erscheinen, aber es gibt viele Richtlinien, die dir dabei helfen können. Und wenn du etwas wirklich einzigartiges willst, geh zu einem Profi!